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Ghanaische Eiscreme und Operation Noahs Asche

Autor: AlmaKlaes | Datum: 30 August 2015, 21:31 | 0 Kommentare

Die letzten beiden Tage (Samstag morgen bis Sonntag nachmittag) waren Niklas, Sara, Patrizia und ich in einem Jugendcamp der E.P. Church in Tongor Tsanakpe. Dieses Camp findet seit sieben Jahren jährlich statt. Dabei trifft sich die Jugend der E.P. Church aus allen Teilen Ghanas, um verschiedene Themen zu diskutieren. Da wir nur an zwei der sieben Tagen teilgenommen haben, haben wir leider einen großen Teil der informativen Vorträge verpasst. 

Als wir morgens um halb sechs aufstehen, bin ich vor allem noch total müde und genervt, dass ich so früh aufstehen muss. Dabei fällt das frühe Aufstehen mir vermutlich noch am leichtesten, da ich auch sonst morgens immer die Erste bin. Noch im Halbschlaf steige ich also in das Auto unseres Fahrers Eric, der uns um viertel vor acht abholt. Ich versuche im Auto noch etwas zu schlafen, aber leider bin ich dabei nicht wirklich erfolgreich.

Knapp zwei Stunden später kommen wir in Tongor Tsanakpe an. Wir werden freundlich von Messi (ich bin mir nicht sicher, ob ich den Namen richtig schreibe) begrüßt, die uns erstmal ein riesiges Frühstück auftischt. Von Toast, Ei und Kakao gestärkt, werden wir anschließend von Eric zu unserer Unterkunft gebracht. Voller Erstauenen stelle ich fest, dass wir in einer Villa einquatiert wurden. Bei Camp hatte ich eher an ein Zeltlager oder ähnliches gedacht. Auch der Kontrast zwischen den kleinen Häusern/Hütten, die den restlichen Ort charakterisieren und eben dieser Villa ist etwas irritierend.

Nachdem wir unser Zimmer (eins für alle vier zusammen) bezogen haben, bringt uns Eric wieder zurück zum Missionhaus, in dem wir auch gefrühstückt haben. Von dort gehen wir mit Belina und Messi zum Fußballfeld, denn gerade wird ein Volleyball- und Fußballtunier unter den Jugendlichen ausgetragen. Während wir dem Fußballspiel zusehen, machen wir unsere ersten Erfahrungen mit ghanaischer Eiscreme. Diese wird hier nicht geleckt, sondern eher getrunken. Man beißt eine Ecke der Verpackung auf und schlürft dann die angschmolzene Masse heraus. Ich finde, wir schlagen uns ziemlich tapfer, trotzdem werden wir von den Eisverkäuferinnen mehrmals lachend gefragt, ob sie uns helfen sollen. 

Über das spannende Fußballspiel haben leider alle das Essen vergessen. Das führt dazu, dass wir bis um vier Uhr nichts zu tun haben, außer auf das Essen zu warten. Während Niklas es sich mit Rev. Godwin im Schatten gemütlich macht (die beiden hatten mit Fußball gespielt und müssen sich ausruhen), nutzen Sara, Patrizia und ich die Gelegenheit und wiederholen unsere Ewevokablen. Zumindest die wichtigsten Nahrungsmittel können wir jetzt schon auf Ewe einkaufen.

Nach dem übrigens sehr leckeren Essen, findet ein Vortrag über die Rolle der Kirche im Klimawandel statt. Ich stelle fest, dass Rev. Godwin ein sehr überzeugender Redner ist, obwohl ich von dem eigentlichen Vortrag nicht alles verstehe, den Rev. Godwin spricht teilweise auf Ewe. Glücklicherweise ist seine Powerpointpräsentation jedoch auf Englisch gehalten, sodass ich dem Vortrag ziemlich gut folgen kann. 

Die Jugendlichen werden über die Folgen des Klimawandels, nicht nur in Ghana, sondern auf der ganzen Welt, informiert. Anschließend stellt Rev. Godwin die Projekte verschiedener Kirchen vor, unter anderem das Projekt "Operation: Noah's Ash". Dieses ist ein Projekt einer christlichen Charity-Organisation, die in Großbritannien gegründet wurde. Das Projekt sieht eine Verminderung der Nutzung fossiler Brennstoffe in Kirchen vor und wurde von vielen Kirchenleitern unterschrieben. 

Solche und andere Projekte stellt Rev. Godwin in seinem Vortrag vor und fordert die Jugendlichen zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit unserem Planeten auf.

Nach dem Abendessen folgt ein Gottesdienst. Zunächst läuft dieser ab, wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, mit hauptsächlich dem sprachlichen Unterschied, denn der Gottesdienst wird fast ausschließlich auf Eve geführt. Doch nach ca. zwei Stunden erwartet mich mein erstes kulturschockartiges Erlebnis. Eine Frau wankt zu dem freien Raum vor dem Altar. Sie beginnt zu schwanken und zu zucken. Ich habe keine Ahnung, was mit ihr los ist und frage mich, wieso ihr niemand hilft. Nach einiger Zeit fassen sie zwei Männer an den Armen und halten sie, sodass sie nicht auf den Boden knallt. Vielleicht zehn Minuten später sinkt die Frau zu Boden und beginnt zu zucken, ungefähr so, als hätte sie einen epileptischen Anfall. Einer der leitenden Pastoren tritt zu ihr, droht ihr mit dem Finger und schreit "Go!". Ich begreife langsam, dass ich es hier mit einer Dämonenaustreibung zu tun habe. 

Innerhalb der nächsten Stunde werde ich noch viele solcher Ereignisse sehen. Am meisten treffen mich dabei die Fälle derjenigen, die zumindest dem Aussehen nach nicht viel älter als zwölf Jahre sein können. Von der lauten Musik, die die Dämonenaustreibung begleitet, und den vielen anscheinend besessenen Menschen wird mir ganz schwummerig. Da wir auch alle ziemlich müde sind, verlassen Niklas, Sara, Patrizia und ich den Gottesdienst vorzeitig und gehen schlafen. Ich blicke allerdings mit einem ziemlich mulmigen Gefühl dem nächsten Tag entgegen. Ich kann nicht richtig einordnen, wo wir hier gelandet sind und frage mich zum ersten Mal, ob ich nicht doch lieber in meinem gewohnten Umfeld geblieben wäre.

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