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Rundbrief Nr. 3

Autor: AlmaKlaes | Datum: 05 Juni 2016, 13:59 | 0 Kommentare

Hallo ihr Lieben,

kaum zu glauben, jetzt ist schon wieder ein neuer Rundbrief fällig. Ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit hier vergeht... Jetzt habe ich schon neun Monate hinter mir und mir bleibt nur noch ein Vierteljahr hier in Togo. Das ist echt ein komisches Gefühl. Eigentlich freue ich mich total auf mein Zuhause, meine Familie, meine Freunde...., aber irgendwie kann ich es mir auch überhaupt nicht vorstellen, mein Zuhause in Togo zu verlassen. Zumal ich ja auch gar nicht weiß, ob und wann ich nochmal hierher zurückkommen kann. Wenn ich mir überlege, wie es sein wird, wieder in Deutschland zu sein, mit einer zuverlässigen Stromversorgung, ständigem fließenden Wasser, einem Supermarkt nur fünf Minuten entfernt, Deutsch als Alltagssprache, meiner Familie und meinen Freunden in ständiger Nähe, deutschem Winter mit hoffentlich Schnee und Kälte..., dann fühlt sich das einfach nur total surreal und unwirklich an, ungefähr so, als würde ich mir vorstellen, in meinem Lieblingsbuch zu leben.

Naja, aber erstmal habe ich ja noch ein Vierteljahr vor mir, das ich auf jeden Fall sehr genießen werde.

 

Arbeit im Kindergarten

Nachdem ich von dem Zwischenseminar in Ghana zurück gekommen war, hatte ich mir ja fest vorgenommen, mich im Kindergarten zu engagieren. Zunächst war dabei nur ein Tag angedacht – der Mittwoch, weil ich an diesem Tag überhaupt keine Kurse im Collège habe.

Das hat aber nur ca. eine Woche funktioniert. Die Arbeit mit den Kindern hat mir nämlich so viel Spaß gemacht, dass ich meine Zeit ausgebaut habe. Jetzt bin ich jede Woche von Montag bis Mittwoch im Kindergarten. Montags und dienstags komme ich ein bisschen zu spät, weil ich erst noch in der ersten Stunde eine Deutschstunde geben muss, verbringe dann aber den Rest des Vormittags mit den Kindergartenkindern. Da montags auch im Collège nur vormittags unterrichtet wird, habe ich dann mit Ende des Kindergartens auch Schluss, dienstags gehe ich danach wieder ins Collège.

Den Kindergarten darf man sich nicht so vorstellen, wie man das aus Deutschland kennt, mit Spielen und Toben und Stuhlkreis. Der „Jardin d'enfant“ ist hier in Togo sehr viel verschulter als der deutsche Kindergarten. Die Kinder (zwischen 2 und 6 Jahre alt, der Großteil ist 4) sitzen an kleinen Pulten, die mir ungefähr bis zum Knie gehen – eine geschrumpfte Schulklasse.

Es gibt in dem kleinen Häuschen, das als Kindergarten dient, auch keine Puppenecke, keine Bauecke oder einen Sandkasten. Stattdessen steht da eine große Tafel und es hängen Bilder von Obst und Gemüse oder den Zahlen und dem Alphabet von der Decke.

Jeden Tag machen die Kinder eine halbe Stunde Sport: Sie laufen im Kreis, hüpfen über Hocker und ziehen sich über Tische. Danach wird dann noch Slalom gelaufen oder ein Wettrennen veranstaltet.

Nach dem Sport gibt es eine kurze Pause – kleine Kinder müssen sich eben noch viel ausruhen. Anschließend steht „Pre-lecture“ auf dem Stundenplan. In dieser Zeit wird das Lesen und Schreiben geübt. Die Kinder müssen ihren Namen auf der Tafel wiederfinden, sie lernen das Alphabet (bisher sind sie allerdings erst beim Buchstaben B) und müssen die gelernten Buchstaben dann in Sätzen finden.

Neben dem Alphabet lernen sie auch die Zahlen. Dabei sind wir mittlerweile schon bei der 8. Zur Übung wird dann gezählt oder es wird eine bestimmte Anzahl an Fingern oder Stöckchen gezeigt, die die Kinder dann benennen müssen. Es werden aber auch unzählige Tafeln mit Zahlen und Buchstabenreihen gefüllt.

Ein weiterer Teil des Unterrichts ist „Science“, also Wissenschaft. So verrückt das vielleicht klingt, hier wird wirklich vierjährigen Kindern der Wasserkreislauf oder der Aufbau einer Batterie beigebracht. Da kann jede Frühförderung in Deutschland eindpacken. Dazu muss man ja auch noch beachten, dass die Kinder im Kindergarten dann ja auch noch ihre erste Fremdsprache lernen: Französisch. Schließlich ist die Muttersprache hier ja Ewe, für die Schule ist Französisch dann aber dringend notwendig. die jas streichen

Der einzige „spielerische“ Teil, den ich bisher im Kindergarten erlebt habe, sind die Lieder, die die Kinder mit Begeisterung singen. Von „Kopf, Schulter, Knie und Zeh“ bis „Frère Jacques“ ist alles dabei und zwar auf Ewe und Französisch.

Und für alle, die sich jetzt um die Kinder sorgen, die nicht in den Kindergarten gehen (das sind nämlich längst nicht alle): In der ersten Klasse wird der ganze Stoff noch einmal gemacht.

Meine Aufgabe im Kindergarten ist es, die Erzieherin Akpene bei allen Dingen zu unterstützen. Dazu gehört, den Kindern ihre As und Bs, Spiralen, Blumen oder Formen auf die Tafeln zu malen, damit sie sie nachmalen können, Kinder trennen, die sich gegenseitig ärgern, Akpenes Tochter Gracia daran zu hindern, den Kindergarten auseinander zu nehmen, mitsingen..., eben alles was gerade so ansteht.

Mit Akpene verstehe ich mich echt supergut. Sie ist dreißig Jahre alt und hat eine kleine, zweieinhalbjährige Tochter, eben Gracia. Wenn die Kinder beschäftigt sind, unterhalten wir uns oft über Gott und die Welt. Sie hat mich auch schon ein paar Mal zu Hause besucht.

Ihre Tochter Gracia ist ein supersüßer kleiner Schatz, den ich richtig ins Herz geschlossen habe. Sie stellt zwar unglaublich viel an, aber wirklich böse sein kann ich ihr nie.

Alles in allem liebe ich die Arbeit im Kindergarten und bereue es total, dass ich damit nicht schon viel früher angefangen habe.

Ostern

Wie auch schon zu Weihnachten war hier zu Ostern nicht besonders viel los. Der Ostergottesdienst war ein ganz normaler Sonntagsgottesdienst, man hat nirgendwo gemerkt, dass der Herr auferstanden ist. Allerdings wurde morgens um 4 Uhr die Osternacht gefeiert, was für mich persönlich eine neue Erfahrung war. Wir sind zwei bis drei Stunden durch Notse gelaufen und haben dabei Kirchenlieder gesungen. Es wurde auch viel getanzt, wobei mir zwei Frauen aus dem Chor die Tanzschritte gezeigt haben, was echt Spaß gemacht hat.

Niklas und ich haben aber auch die Gelegenheit genutzt und ein paar deutsche Traditionen nach Togo gebracht.

Wir haben am Karsamstag mit Alberst Familie, vor allem natürlich mit den Kindern, Ostereier gefärbt. Die Kinder waren begeistert von der Farbe und wollten am liebsten noch viel mehr Eier färben, aber leider gab es nicht mehr.

Albert hat gefragt, wieso wir ausgerechnet das Ei färben und ich habe ihm die Symbolik dahinter erklärt. Die ganze Familie war total begeistert und möchte diese Tradition jetzt auch weiterführen. Ich hoffe, dass sie das auch tatsächlich tun. Ich werde ihnen auf jeden Fall Farbe hier lassen.

Am Ostersonntag haben wir dann gemeinsam mit Albert die Ostereier versteckt und die Kinder haben sie gesucht. Das ging zwar etwas zögerlich vonstatten, da die Kinder anfangs nicht wirklich verstanden haben, was sie machen sollen, aber gegen Ende hat ihnen auch das Suchen Spaß gemacht. Für mich war es das erste Mal, dass ich versteckt und nicht gesucht habe, und ich fand den Perspektivenwechsel echt lustig.

Außerdem haben wir sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen Osterkörbchen geschenkt, die mit Ostersüßigkeiten gefüllt waren.

Zudem habe ich vor Ostern mit den Kindern in der Schule das Lied „Für mich gingst du nach Golgatha“ gesungen, was sie, wie immer, wenn wir deutsche Lieder singen, super fanden.

Besuch in Tado

Am 19. April waren wir gemeinsam mit Hannes Menke und einigen anderen Deutschen in Tado. Wie ihr wisst, war ich ja bereits Anfang des Jahres einmal in Tado. Darüber habe ich euch im ersten Rundbrief berichtet.

Diesmal lief der Ausflug eigentlich ziemlich gleich ab. Auf dem Weg nach Tado haben wir noch einmal den Kindergarten besucht, der von der NM unterstützt wird. Da hat mich eine große Überraschung erwartet.

Alberts Familie hatte über Ostern Besuch von einer Frau und einem kleinen Mädchen, Honorine. Honorine ist so alt wie Volonté, also vier Jahre. Während sie hier zu Besuch war, habe ich mich ein bisschen mit ihr angefreundet. Als ich ihre Mutter das erste Mal gesehen hatte, war mir schon aufgefallen, dass sie mir irgendwie bekannt vorkam, aber ich konnte sie nicht einordnen.

Hier im Kindergarten auf dem Weg nach Tado bin ich den beiden dann wieder begegnet. Honorines Mutter ist die Leiterin des Kindergartens und Honorine besucht denselben. Als sie mich gesehen hat, kam sie freudestrahlend auf mich zu und wollte gar nicht mehr von meinem Arm runter. Das hat mich natürlich sehr gefreut – offensichtlich habe ich einen bleibenden Eindruck bei ihr hinterlassen.

Im Collège Protestant de Tado lief dann ein ähnliches Programm ab, wie schon bei meinem ersten Besuch. Es wurden Reden gehalten und die Schüler haben ein Theaterstück vorgetragen. Schauspielern können die Schüler dort wirklich gut. Während des Essens habe ich mit Prisca, einer der Schauspielerinnen, die Handynummern ausgetauscht. Wir haben auch ein paar Mal telefoniert, aber leider ist die Verbindung immer sehr schlecht, weshalb wir jetzt schon länger nicht mehr miteinander gesprochen haben.

La Fête d'Independence

Am 27. April wurde die togolesische Unabhängigkeit gefeiert. Kleine Geschichtsstunde am Rande: vor dem ersten Weltkrieg war Togo deutsche Kolonie, danach stand Togo unter französischer Verwaltung. Am 27. April 1960 wurde Togo in die Unabhängigkeit entlassen. Dabei spielten die Marktfrauen eine wichtige Rolle. Da sie die Gebühren, die die Franzosen ihnen für ihre Marktstände auferlegt hatten, nicht mehr zahlen konnten, begannen sie, für die Unabhängigkeit zu kämpfen. Deshalb stellt auch die Statue auf dem Unabhängigkeitsplatz in Lomé eine Marktfrau dar, die an diese tapferen Frauen erinnern soll.

Am 27. April 2016 wurde dann also die togolesische Unabhängigkeit gefeiert. Die Fête d'Independence ist den Togoern sehr wichtig. Ich wurde im Vorhinein häufig gefragt, wann der deutsche Unabhängigkeitstag sei, und teilweise regelrecht bedauert, als ich erklärte, dass wir keinen Unabhängigkeitstag haben, da wir nie Kolonie waren.

Am Tag der Unabhängigkeit war natürlich schulfrei und ganz Notsé versammelte sich am Ort der Feier, einem Stück Straße nahe am Ortsausgang.

Wir sind natürlich auch hingelaufen, begleitet von zwei Schülerinnen der Troisième. Die beiden waren echt lustig und haben lauter Fragen gestellt. Eine von beiden wollte sogar wissen, wieso ich ihren Bruder, den ich noch nie gesehen habe, nicht heiraten möchte. Da ein einfaches „Nein“ nicht gereicht hat und auch ein „Ich kenne ihn doch gar nicht“ ungenügend war, musste ich mir dann noch eine Erklärung aus den Fingern saugen, was gar nicht so einfach ist, wenn man die betreffende Person noch nie getroffen hat.

Auf diesem Stück Straße am Ortsausgang marschierten dann im Laufe des Vormittags sämtliche Schulen, Organisationen, Clubs, Vereine etc. Notsés vorbei. Hier wurde mir bewusst, wie viele Schulen in Notse ansässig sind. Es gibt generell drei verschiedene Arten von Schulen: die öffentlich-staatlichen, die kirchlichen und die Privatschulen. Von jeder einzelnen Art gibt es dann wiederum mehrere, die mit allen Schulklassen an uns vorbei marschiert sind. Insgesamt hat es fast zwei Stunden gedauert, bis allein der Marsch der Schulen vorbei war.

Anschließend standen wir dann nochmal ca. zwei Stunden in der Hitze, um alle anderen irgendwie erwähnenswerten Vereine anzuschauen. Obwohl die Veranstaltung etwas eintönig war, konnte ich einen Einblick in die togolesische Kultur und auch Geschichte bekommen.

Donatas Hochzeit

Donata ist die Leiterin von Ceproded (dem Centre, auf dem ich wohne) und meine Mentorin hier in Togo.

Wir waren zu ihrer Hochzeit am 07.05.2016 eingeladen, was ich sehr nett von ihr fand.

Am Hochzeitstag sind wir frühmorgens mit einem Bus nach Lomé gefahren. Die Zeit bis zum Beginn der Trauung haben wir für einen kleinen Stadtbummel durch Lomé genutzt Ich habe mir ein sündhaft teures Milcheis gekauft. Das ist nämlich etwas, was ich hier im ständigen Sommer sehr vermisse.

Naja, pünktlich um 15 Uhr hat dann die Hochzeit begonnen. Zuerst ist der Chor in die Kirche eingezogen, gemeinsam mit 8 Pastoren. Dabei waren sowohl Pastoren aus Notsé, als auch Pastoren, die ich nicht kannte.

Nach dem Chor kam dann der Bräutigam zusammen mit seinem Trauzeugen und seiner gesamten Familie. Das kannte ich aus Deutschland so nicht.

Einige Zeit nach dem Bräutigam kam Donata. Sie hatte ein schönes, weißes Brautkleid an und trug weiße Rosen als Brautstrauß – künstliche Blumen. Auch sie wurde von ihrer Familie begleitet sowie von drei Brautjungfern und vier Mädchen, die traditionelle Kleidung trugen und auch traditionell bemalt waren. Ihre weiter Funktion war aber nicht erkennbar.

Der Gottesdienst selbst lief dann wie in Deutschland auch ab, mit dem einzigen Unterschied, dass die Heiratsurkunde hier direkt in der Kirche unterschrieben wird. Mit gut zwei Stunden war der Gottesdienst für hiesige Verhältnisse allerdings überraschend kurz.

Nach der Zeremonie sind wir dann als geladene Gäste in den Festsaal nebenan gegangen. Dort gab es kleine Gebäckstücke und je eine Dose Limonade für alle Gäste. Es wurde auch nicht wirklich gefeiert. Das Hochzeitspaar hat den Kuchen angeschnitten, was aber so ein bisschen untergegangen ist, und es gab einen „ersten Tanz“, der aber auch der letzte war. Um acht Uhr war die Feier schon wieder beendet.

Ich habe später mit Akpene darüber geredet und sie meinte, dass das eine ganz und gar untypische togolesische Hochzeit gewesen sei. Auf einer typischen Hochzeit gibt es wohl Essen in Hülle und Fülle und man feiert bis in den frühen Morgen. Sie sagte aber auch, dass reiche Leute häufig so sparsam feiern, weil sie sich nicht trauen, „einfaches“ Essen wie Reis und Pâte zu servieren, weil sie Angst haben, ihren Ruf zu verlieren, und deshalb lieber nur einen Snack anbieten. Ob das wirklich stimmt, weiß ich allerdings nicht.

 

Das wars auch schon wieder von mir... Ich hoffe, euch hat die Schilderung der kleinen Episoden aus meinem Leben in Togo gefallen. In einem Vierteljahr sehen wir uns schon wieder... Einerseits freue ich mich, andererseits will ich hier auch nicht weg. Wir werden sehen, wie gut ich mich wieder in Deutschland einlebe.

 

 

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